Wie es früher war

Als eure Urgroßmutter ein Kind war, sah die Welt noch ganz anders aus.

Es gab zum Beispiel fast keine Autos, Busse oder Lastwagen. Alles Schwere, was transportiert werden musste, zogen Pferde auf Wagen.
Auch Abfälle, die es natürlich schon immer gab, wurden so von den Straßen entfernt. Deshalb gab es damals auf dem Betriebshof der Müllabfuhr auch noch keine Garagen, sondern Pferdeställe. Und Pferdepfleger, die die Pferde versorgten.

Der Anhänger, den die Pferde der Müllabfuhr zogen, war nicht geschlossen, er war oben offen.
Die Menschen stellten ihre Küchenabfälle wie Knochen, Fischgräten und Kartoffelschalen in Eimern oder Wannen aus Metall an die Straße. Dann hoben die Müllmänner die Eimer hoch und schütteten alles auf den offenen Hänger.
Bestimmt könnt ihr euch vorstellen, wie das gerochen hat: nicht wirklich gut!
Ab 1905 kam die Müllabfuhr deshalb mit geschlossenen Pferdewagen.

Plastik gab es übrigens auch noch nicht – also auch keine Verpackungen, wie wir sie heute kennen: Chipstüten, Eispapier, Joghurtbecher.
Milch holte man in eigenen Kannen, Fisch, Fleisch und Gemüse wurden zum Transport nach Hause in Zeitungspapier gewickelt. Kartoffeln wurden lose in den Keller geschüttet.

Ihr seht: Es gab damals sehr wenig Verpackungsabfälle und überhaupt viel weniger Müll als heute.
Viele Menschen waren arm, sie besaßen nur das Nötigste zum Leben. Wenn etwas kaputtging, zum Beispiel ein Schrank, dann wurde kein neuer gekauft. Er wurde so oft wieder repariert, wie es ging.
Auch zerrissene Strümpfe wurden gestopft, Schuhe, Kleider, Hosen geflickt.

Die Mülltonnen waren aus Blech- oder Zink – weil es ja noch keinen Kunststoff gab. Die Gefäße, auch Ringeimer genannt,  waren aus dickem Metall und viel schwerer als die heute. Damit die Müllmänner sie auch noch heben konnten, wenn die Eimer voll waren, gab es kleinere Eimer: nur 35 oder 50 Liter passten da hinein.

Heizungen wie ihr sie heute kennt, gab es in Gelsenkirchen zu der Zeit auch noch nicht.
Wisst ihr, wie damals geheizt wurde? In jeder Wohnung stand ein Ofen, in dem Kohle verbrannt wurde. In den Ofen warfen die Leute aber auch alles andere hinein, was gut brannte – beispielsweise das schmutzige Papier, in dem der Hering vom Markt eingewickelt war.
Oben auf dem Ofen wurde gekocht.

Die Reste des Feuers im Ofen, also die Asche, konnte man zu nichts mehr gebrauchen. Sie war Abfall.
Stellt euch vor, wie gewaltig das staubte, wenn die Eimer offen standen, umfielen oder wenn sie in den Pferdeanhänger gekippt wurden!

frueherSpäter, als die Technik weiter vorangeschritten war, kamen dann Fahrzeuge mit Motorantrieb auf die Straßen. Mülleimer konnten mit mechanischer Hilfe in die Höhe gehoben und entleert werden. Das war eine große Erleichterung für die Müllmänner, nicht alles mehr mit Muskelkraft heben zu müssen.

Dann waren auch irgendwann nicht mehr so viele Menschen so arm. Sehr viele konnten sich mehr kaufen – und mit dem Wohlstand gab es immer mehr Müll. Deshalb wurden die Müllbehälter immer größer. Mussten die Müllmänner früher drei kleine 30-l-Eimer vom Boden heben, so wuchten sie heute einen 120-l-Behälter nur einmal kurz in die Schüttung. Das geht natürlich auch schneller. 

Eine andere große Veränderung waren die Plastikeimer. Anfangs machten die noch Probleme, wenn zu heiße Asche hineingefüllt wurden: Sie schmolzen und waren nicht mehr zu gebrauchen.
Aber die Öfen von damals wurden immer weniger. Immer mehr Menschen bekamen Heizungen, wie ihr sie heute kennt. Und die machten keine Asche mehr.

Die Müllfahrzeuge wurden mit der Zeit ebenfalls größer, sie können jetzt viel mehr Müll aufnehmen.
Die ersten Müllfahrzeuge im Jahr 1949 fassten 6 Kubikmeter. (Weißt du, was ein Kubikmeter ist? Das ist ein Würfel, der 1 Meter lang, 1 Meter breit und 1 Meter hoch ist. Sechs  solcher Würfel nebeneinander, das sind sechs Kubikmeter.)
Für ein Müllauto ist das nicht viel. 6 Kubikmeter, das ist etwa der Inhalt von 6 dieser großen Müllcontainer mit vier Rädern und einem Schiebedeckel, wie du sie meist vor Hochhäusern stehen siehst.

Heute fassen die Müllfahrzeuge ein Vielfaches davon: etwa 20 Kubikmeter! Und dann können sie den Müll im Fahrzeug auch noch zusammenpressen, damit noch mehr hineinpasst!

Früher wie heute wird der Müll aus einem Haus an der Straße abgeholt. Aber wohin wird er gefahren?
Zu Urgroßmutters Zeiten wurde der gesammelte Müll einfach auf einen großen Haufen gekippt, der außerhalb der Stadt lag – sozusagen im Grünen. Das waren richtige kleine Berge, die man Deponien nannte.
Später wuchsen die Städte, man baute immer mehr Häuser, die immer dichter an die Deponie herankamen. Die lag dann irgendwann gar nicht mehr so weit draußen im Grünen.
Bis 1987 lagerte man den Müll auch in Gelsenkirchen auf Deponien. Dann wurde eine große Verbrennungsanlage in unserer Nachbarstadt Essen gebaut. Seitdem wird der Müll in dieses Müllheizkraftwerk gefahren. Wie der Name schon verrät, wird der Müll dort verbrannt, und die Wärme, die beim Verbrennen entsteht, wird über Leitungen in die Häuser transportiert.
Mit der Energie des verbrannten Restmülls kann man also Wohnungen heizen. Das nennt man Fernwärme.
Wenn der Müll dann verbrannt ist, dann ist nur noch ein Zehntel der ursprünglichen Müllmenge übrig!
Übrigens erzeugt so ein Müllheizkraftwerk auch Strom.


Das ist spannend, oder? Wenn ihr noch viel mehr wissen wollt, dann ruft einmal die Telefonnummer 9 54 42 52 an: Da gibt es Informationen für alle, die sich für dieses Thema interessieren. Natürlich auch für Lehrer!

Ach ja, noch ein kleiner Tipp: Spannende Geschichten von früher erzählen euch bestimmt auch gerne eure Urgroßmütter, Urgroßväter, Omas oder Opas – fragt sie doch einfach mal!