Pressemeldung vom 10.02.2009

Uwe Unterseher-Herold (45) ist der neue technische Betriebsleiter bei den Gelsendiensten: Vom Kumpel zum Ingenieur und Fachmann der Entsorgungswirtschaft

Der Müllwerker, der gerade auf den Gelsendienste-Betriebshof an der Adenauerallee einfährt, hebt grüßend die Hand, sein neuer Chef winkt zurück, lässt sich dann weiter – unverdrossen im Regen stehend – von der WAZ fürs Porträt fotografieren: Der „Neue” scheint nach 14 Tagen schon bekannt zu sein bei seinen Mitarbeitern. Nach dem anderthalbstündigem Interview mit Uwe Unterseher-Herold erschließt sich auch warum.
Denn der neue Werksleiter vor Ort als Mann fürs Technische, Praktische und die Tagesarbeit an Besen oder Harke, trifft wohl den Ton am Betriebshof: direkt, klar, offen, mit einer gehörigen Portion Ruhrgebiets-Charakteristik. „Ich bin ein Mensch der Region”, sagt er denn auch als einer seiner ersten Sätze. Ein Kumpeltyp?
Da erklärt sich manches aus dem Lebenslauf: Der 45-Jährige ist gebürtiger Waltroper, lebt dort auch mit Frau und drei Kindern. Eins von sechs Kindern eines Bergmanns war er selbst, mit einer zunächst typischen, dann kurvenreichen Revier-Vita. Denn mit 15, nach der 9. Klasse, schickte man ihn zur Elektrikerlehre auf die Zeche Waltrop. Dann ab 17 die Arbeit unter Tage. Als er 18 wurde, kündigte er sofort, machte die Schule weiter bis zur 12, studierte zunächst Elektrotechnik in Wuppertal, fand dann aber zur eigentlichen Profession: Er gehörte 1989 zu den ersten Studenten des neuen Studiengangs Entsorgungstechnik an der Fachhochschule Gelsenkirchen - und war 1992 sein erster Absolvent.
Der neue Job bei Gelsendienste ist praktisch eine Rückkehr in die Stadt, denn Unterseher arbeitete als frisch gebackener Entsorgungsingenieur drei Jahre beim Umweltamt. Dann ging's in die Entsorgungswirtschaft. Zunächst vier Jahre „mittenmang” in Waltrop als Chef des städtischen Baubetriebshofes, „wo man auch am 1. Weihnachtstag zuhause angerufen wurde, um eine Mülltonne auszuliefern”. Nächste Station eine Nummer größer: technischer und kaufmännischer Vorstand bei der Bottroper Entsorgung und Stadtreinigung (BEST). Nun wieder eine Nummer größer: Gelsendienste, 1200 Mitarbeiter, mit allem, was dazu gehört: Müll, Grünpflege, Stadtreinigung, Friedhöfe. „Das ist eine andere Liga”, meint Unterseher. Apropos Liga: Der Waltroper ist Dauerkarten-Besitzer und blau-weißer Schalträger (aber auch eifriger Musiktheater-Gänger).
So einen Blitzstart würde sich ein Schalke-Zugang wünschen: Kaum da ging's zur Sache wie selten: die Schneewoche. „Wir waren rund um die Uhr unterwegs”, erklärt Unterseher und weiß um die Kritik am städtischen Räumdienst. „In 30 Jahren hatten wir drei solcher Winter. Da bleibt keine Zeit zu üben. Wir können auch nicht zehn Schneepflüge auf Halde stehen haben”, verteidigt er Gelsendienste, sieht aber auch Handlungsbedarf: „Wir müssen zum Beispiel besser kommunizieren, dass Anlieger auch Haltestellen räumen müssen. Direkter und persönlicher will er künftig Bürger ansprechen: „Man muss auch mal bitte oder danke sagen können”, will er einen anderen Ton einführen. „Wir sind Dienstleister der Stadt. Die Menschen sollen unser Unternehmen als ihr Unternehmen wahrnehmen”, sagt er und schiebt hinterher: „Das ist keine Phrase.”
Wie er das machen will, Gelsenkirchener und Gelsendienste zusammenrücken zu lassen, kann Unterseher gleich beweisen: „Gelsenkirchen blüht auf”, die Bewerbung der Stadt für den Bundeswettbewerb „Entente florale” in diesem Jahr steht und fällt damit, dass viele mitwirken, die Stadt nachhaltig grüner und bunter zu machen. Dabei betont Unterseher, der sich als Piefke mit dem Rad am Kanal abstrampelte: „Ich weiß wie das früher auf den Hinterhöfen der Industrie aussah, Gelsenkirchen ist es gut gelungen, grün zu werden.”